Der B2B-Käufer: Das unbekannte Wesen

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Aus unserer Sicht ist der B2B-Vertrieb, gerade der oftmals lange dauernde Verkauf von komplexen Investitionsgütern oder Dienstleistungen, die Königsdisziplin im Vertrieb. Ein guter Verkäufer muss alle Register ziehen um zum Abschluss zu kommen, aus diesem Grund sind hier die Vertriebsprofis zuhause. Sie graben sich tief in die Welt ihrer Kunden ein um zu verstehen, mit welchen Argumenten sie ihre Leistung platzieren können. Sie denken und bewegen sich im „Kosmos“ ihrer Zielgruppe und vernetzen sich so immer stärker mit dieser. Ganz anders hingegen sieht oftmals die Welt im B2B-Vertrieb von eher standardisierten Waren und Leistungen aus …

Viele heutige B2B-Verkäufer sind mehr oder weniger in ihre Rolle hineingerutscht, wenn es gut ging, auch hineingewachsen. Sie brachten zu Beginn ihrer Karriere zumeist eine besondere Portion Offenheit für Menschen mit, gute Kommunikationsfähigkeiten und den Spaß am „Tanz mit dem Kunden“. Über die Jahre etabliert sich dann beim Verkäufer eine bestimmte Verhaltensweise die im Wesentlichen aus der Vermeidung von in der Vergangenheit falschem Verhalten und der Bestärkung von in der Vergangenheit erfolgreichem Verhalten besteht. Die spezifische Kundenwelt und deren tägliche Erfahrungsfelder spielt dann nur noch eine geringe Rolle. Gerade bei weniger erfolgreichen Verkäufern häufen sich dann Sätze wie „Das haben wir schon probiert, hat nicht geklappt“ oder „Das macht unser Kunde nicht mit“. Der Verkäufer ist Gefangener seiner Vor-Urteile geworden. Und das liegt ganz häufig daran, dass er aufgehört hat, seinem gewerblichen Endkunden offen und vorbehaltlos zuzuhören und dessen Bedürfnisse wahrhaftig verstehen zu wollen.

Bedürfnisse beim Gewerbekunden? Ja, auch der Gewerbekunde ist zunächst einmal ein Mensch mit allen persönlichen Stärken und Schwächen. Er entscheidet viel seltener so rational wie wir uns das wünschen sondern häufig emotional, aus persönlichen Motiven getrieben. Auch der Gewerbekunde nutzt Tablet und Smartphone um sich zu informieren. Auch er kommuniziert in Facebook und Whatsapp. Auch er abonniert Newsletter oder stöbert regelmäßig in seiner Lieblings-App. Auch er kauft online oder betreibt seinen Zahlungsverkehr mittels Banking-App. Und das alles auch und gerade im B2B-Kontext.

Gerade das aber sehen viele B2B-Verkäufer nicht. Die einzigen Kontaktpunkt, die sie zu ihrem Kunden sehen sind der persönliche Besuch vor Ort, das Telefonat oder das Gespräch an der Verkaufstheke. Und nur diesen Kunden nimmt der B2B-Verkäufer wahr: ein oft gehetzter, unter Zeitdruck stehender Käufer der schnell den besten Preis bei sofortiger Verfügbarkeit will Das ist aber nur die eine Seite Ihres B2B-Kunden.

Die andere Seite sind dessen vielfältige Herausforderungen in seinem eigenen Tagesgeschäft, die Steuerung seiner eigenen Mannschaft, die langfristige Ausrichtung seiner Firma im sich verändernden Umfeld oder auch die Anpassung an Branchenveränderungen.

Genau hier setzt ein guter B2B-Verkäufer an: er denkt nicht mehr ans Verkaufen sondern fühlt und denkt sich in die Welt seines Kunden ein. Er stellt Fragen und hört zu. Er vernetzt sich mit seinem Kunden online. Er liest Fachbücher und –zeitschriften um zu verstehen, was seinen Kunden umtreibt. Und über diesen Weg entwickelt sich der B2B-Verkäufer weg vom Preisverkäufer hin zum Problemlöser für seine Kunden. Auch dann spielt der Preis natürlich weiterhin eine Rolle – aber nicht mehr die einzige und vor allem bestimmende Rolle.

Vertrieb der Zukunft: Von Push zu Pull

Um zu verstehen welche Paradigmen-Wechsel im Vertrieb gerade stattfindet, müssen wir als Unternehmer oder Vertriebsleiter / Verkäufer nur einen kurzen Blick auf unser eigenes Kaufverhalten werfen: Kaufen Sie noch genauso ein wie vor 10 Jahren? Oder informieren auch Sie sich mittlerweile zuerst im Internet, vergleichen Produkte und Preise und sprechen erst danach mit einem Verkäufer von dem Sie erwarten, dass er Sie als “Partner und nicht als Opfer” betrachtet? Und nun stellen Sie sich noch einmal die Frage, wie Vertrieb aktuell in Ihrem Unternehmen erfolgt…

Die meisten Branchen, die meisten Produkte sind mittlerweile in einem Käufermarkt angekommen was bedeutet, dass der Käufer entscheidet, ob, wann, wo und wie er den Vertragsabschluss mit Ihnen machen möchte. Sie können Ihren Kunden also noch so sehr schieben, treiben, überreden (push) – wenn er sich zu Ihrem Unternehmen, Verkäufer oder Produkt nicht hingezogen (pull) fühlt, dann wird er nicht kaufen. Es geht also darum, dass Sie auf genau diesen 3 Ebenen Unternehmen, Verkäufer und Produkt eine Sogwirkung auf Ihren Kunden aufbauen. Wie kann das gehen?

Unternehmen:

Wie attraktiv ist Ihr Unternehmen eigentlich für Ihre Kunden? Können diese „stolz“ darauf sein, mit Ihnen zusammen zu arbeiten? Wie sieht es mit Freundlichkeit, Sauberkeit, Service-Levels etc. aus? Mögen Ihre Kunden gerne zu Ihnen kommen oder mit Ihnen telefonieren oder Ihre Internet-Präsenz aufsuchen? Und falls Sie im B2C-Einzelhandel unterwegs sind: Bieten Sie Ihren Kunden Erlebniswelten, Emotionen, Eindrücke oder eher einfach Regale voller Waren? Und ganz generell: Bekommt er einen Kaffee angeboten, kann er sich setzen, in Prospekten und Katalogen blättern, hat er freies WLAN, kann er sein Handy bei Ihnen aufladen, darf er sich seine Einkäufe nachhause schicken lassen? Ja, das alles sind Einkaufserlebnisse die dazu führen, dass Menschen gerne kaufen. Sie fühlen sich dann zu Ihrem Unternehmen hingezogen.

Verkäufer:

Lassen Sie uns an dieser Stelle nicht darüber lamentieren wie schwer es geworden ist, gute Verkäufer zu finden. Wir sehen das nämlich nicht so. Was in der Tat schwierig geworden ist, ist, Verkäufer zu finden, die wie noch in den 90er Jahren mittels push verkaufen. Diese Sorte Verkäufer stirbt gerade aus, und das aus gutem Grund – sie findet nämlich keine Kunden mehr.

Viel einfacher ist es hingegen, Menschen zu finden, die mit ihrem Kunden auf Augenhöhe über den Mehrwert ihrer Produkte und Lösungen verhandeln können und wollen. Ohne mentalen Verkaufsdruck sondern einfach überzeugt und beseelt davon, dass ihr Produkt das Beste ist. Der Verkäufer wird damit zum Einkaufsberater und übernimmt weiterführende Funktionen als bisher, die zu einem Sog beim Kunden führen (Diesen Paradigmenwechsel erläutern wir in einem der folgenden Blog-Beiträge noch ausführlicher).

Produkt:

Stiften Ihre Produkte wirklich den Nutzen, den Ihr Kunde sich verspricht? Kennen Sie überhaupt den Nutzen, den Ihr Kunde wirklich erwartet? (Mit dem Thema Nutzen wird sich übrigens einer unserer folgenden Blog-Beiträge ausführlich beschäftigen).

Sind Ihre Produkte auch hinsichtlich Nachhaltigkeit und Qualität auf dem aktuellsten Stand? Können Sie Ihre Produkte emotional so aufladen, dass Ihr Kunde den persönlichen Wunsch danach verspürt? Ein gutes Beispiel dafür ist aus unserer Sicht die Firma Engelbert Strauss, der mittlerweile allseits bekannte Hersteller von work wear. Hier wurde aus einem einfachen Produkt (Arbeitskleidung) eine Marke mit Sogwirkung (will ich haben) kreiert. Der Nutzen der Arbeitskleidung von Engelbert Strauss liegt mittlerweile vielleicht viel weniger in der technischen Funktionalität als in der Bedürfnisbefriedigung für seinen Träger „dazu zu gehören“.

Verproben Sie einmal Ihren aktuellen Verkaufsstil: Sind sie noch im push oder schon im pull angekommen? Gerne helfen wir Ihnen bei der Beantwortung dieser Frage und dem Aufbau Ihrer neuen Vertriebsstruktur – willkommen in der Zukunft!

Edmund Cramer, office@cramer-mueller-partner.de

Warum kaufen meine Kunden nicht mehr?

Direkt nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war das Verlangen der Menschen nach Produkten, Waren und Gütern sehr gering. Es ging um das blanke Überleben. In der Maslowschen Bedürfnispyramide wird von Existenz- und Sicherheitsbedürfnissen gesprochen. Erst mit dem Entstehen des Wirtschaftswunders entwickelten sich die Menschen zu Konsumenten, von denen wir (leider) glauben, dass sie im Jahr 2018 ihre Kaufentscheidungen noch immer genauso treffen wie in den 50er Jahren. Aber weit gefehlt …

Versuchen wir einmal uns in die 50er oder 60 Jahre zu versetzen. Allenthalben wuchs das Bruttosozialprodukt und stiegen die verfügbaren Haushaltseinkommen. Nach Jahren der Abstinenz hatten die Menschen Lust und jetzt auch das nötige Geld, um sich mit schönen Dingen zu umgeben. Wohnungen wurden eingerichtet, Autos gekauft, Urlaube gebucht. Für Unternehmen war es ein Schlaraffenland, Menschen kamen einfach in ihre Geschäfte und kauften. Transparente Märkte gab es im B2C-Umfeld defacto nicht, der Käufer hat dem Verkäufer, den er zudem häufig persönlich kannte, vertraut und bei ihm gekauft. So gut wie jedes Produkt, dass angeboten wurde, fand seinen Käufer. Der Hunger nach Konsum und Wohlstand war sehr groß. Händler mussten ihre Ware einfach nur offensiv – und teils aggressiv – anbieten, irgendjemand kaufte es bestimmt zum offerierten Preis.

Mit dem Aufkommen der Do-It-Yourself(DIY)-Märkte und Discounter wendete sich das Blatt. Plötzlich konnte der Kunde durch die Märkte gehen und Produkte und Preise miteinander vergleichen, er wurde zu einem immer mündigeren Konsumenten. Käufer und Verkäufer waren jetzt auf Augenhöhe was Produkt- und Preisinformationen anbetraf. Erste Schleifspuren dieser Entwicklung zeigen sich seit den späten 80er Jahren in den Jahresabschlüssen der Unternehmen, insbesondere von Handelsbetrieben: Die Umsatzrendite geriet unter Druck und sank allmählich.

Mit der Grenzöffnung entstand nochmal ein zweites „kleines“ Wirtschaftswunder. Wieder war eine Kundschaft da, die Hunger auf Produkte, Waren und Güter hatte, die ihr zuvor verschlossen geblieben sind. Erneut konnten so ziemlich alle Produkte zu so ziemlich allen Preisen angeboten werden. Diesmal hat es jedoch keine knappen 30 sondern nur gute 10 Jahre gedauert, bis die Kunden zu mündigen Konsumenten wurden und aus ihrem Kauf-Hamsterrad ausgestiegen sind.

Mit Aufkommen des Internets, spätestens seit der Einführung der Smartphones und der massenhaften Verbreitung sozialer Netzwerke, hat der Kunde die Hoheit über den Verkaufsprozess übernommen. Er entscheidet seither in steigendem Maße, wann, wo und wie er einkaufen möchte. Er stellt Forderungen hinsichtlich Service-Komponenten. Er möchte umworben werden. Er will wissen ob die Produkte nachhaltig hergestellt werden. Er fragt nach seinem individuellen Nutzen. Und in letzter Zeit verweigert er sogar immer häufiger den Kauf selbst, weil er einfach satt ist.

Keine schöne Zeit für Sie als Hersteller oder Händler? Kommt darauf an, mit welcher Brille Sie auf diese Veränderungen schauen. Mit der Brille der Angst vor Veränderung oder mit der Brille der Lust auf die Neugestaltung Ihres Marktes? Es liegt an Ihnen.

Welche konkreten Auswirkungen all das für Ihren Vertrieb hat und wie sie darauf (re)agiere können, wollen wir Ihnen in unseren Blog-Beiträgen der nächsten Wochen erläutern.

Sie haben bereits vorab konkrete Fragen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf: Edmund Cramer, office@cramer-mueller-partner.de 

Warum kaufen meine Kunden nicht mehr?

Direkt nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war das Verlangen der Menschen nach Produkten, Waren und Gütern sehr gering. Es ging um das blanke Überleben. In der Maslowschen Bedürfnispyramide wird von Existenz- und Sicherheitsbedürfnissen gesprochen. Erst mit dem Entstehen des Wirtschaftswunders entwickelten sich die Menschen zu Konsumenten, von denen wir (leider) glauben, dass sie im Jahr 2018 ihre Kaufentscheidungen noch immer genauso treffen wie in den 50er Jahren. Aber weit gefehlt …

Versuchen wir einmal uns in die 50er oder 60 Jahre zu versetzen. Allenthalben wuchs das Bruttosozialprodukt und stiegen die verfügbaren Haushaltseinkommen. Nach Jahren der Abstinenz hatten die Menschen Lust und jetzt auch das nötige Geld, um sich mit schönen Dingen zu umgeben. Wohnungen wurden eingerichtet, Autos gekauft, Urlaube gebucht. Für Unternehmen war es ein Schlaraffenland, Menschen kamen einfach in ihre Geschäfte und kauften. Transparente Märkte gab es im B2C-Umfeld defacto nicht, der Käufer hat dem Verkäufer, den er zudem häufig persönlich kannte, vertraut und bei ihm gekauft. So gut wie jedes Produkt, dass angeboten wurde, fand seinen Käufer. Der Hunger nach Konsum und Wohlstand war sehr groß. Händler mussten ihre Ware einfach nur offensiv – und teils aggressiv – anbieten, irgendjemand kaufte es bestimmt zum offerierten Preis.

Mit dem Aufkommen der Do-It-Yourself(DIY)-Märkte und Discounter wendete sich das Blatt. Plötzlich konnte der Kunde durch die Märkte gehen und Produkte und Preise miteinander vergleichen, er wurde zu einem immer mündigeren Konsumenten. Käufer und Verkäufer waren jetzt auf Augenhöhe was Produkt- und Preisinformationen anbetraf. Erste Schleifspuren dieser Entwicklung zeigen sich seit den späten 80er Jahren in den Jahresabschlüssen der Unternehmen, insbesondere von Handelsbetrieben: Die Umsatzrendite geriet unter Druck und sank allmählich.

Mit der Grenzöffnung entstand nochmal ein zweites „kleines“ Wirtschaftswunder. Wieder war eine Kundschaft da, die Hunger auf Produkte, Waren und Güter hatte, die ihr zuvor verschlossen geblieben sind. Erneut konnten so ziemlich alle Produkte zu so ziemlich allen Preisen angeboten werden. Diesmal hat es jedoch keine knappen 30 sondern nur gute 10 Jahre gedauert, bis die Kunden zu mündigen Konsumenten wurden und aus ihrem Kauf-Hamsterrad ausgestiegen sind.

Mit Aufkommen des Internets, spätestens seit der Einführung der Smartphones und der massenhaften Verbreitung sozialer Netzwerke, hat der Kunde die Hoheit über den Verkaufsprozess übernommen. Er entscheidet seither in steigendem Maße, wann, wo und wie er einkaufen möchte. Er stellt Forderungen hinsichtlich Service-Komponenten. Er möchte umworben werden. Er will wissen ob die Produkte nachhaltig hergestellt werden. Er fragt nach seinem individuellen Nutzen. Und in letzter Zeit verweigert er sogar immer häufiger den Kauf selbst, weil er einfach satt ist.

Keine schöne Zeit für Sie als Hersteller oder Händler? Kommt darauf an, mit welcher Brille Sie auf diese Veränderungen schauen. Mit der Brille der Angst vor Veränderung oder mit der Brille der Lust auf die Neugestaltung Ihres Marktes? Es liegt an Ihnen.

Welche konkreten Auswirkungen all das für Ihren Vertrieb hat und wie sie darauf (re)agiere können, wollen wir Ihnen in unseren Blog-Beiträgen der nächsten Wochen erläutern.

Sie haben bereits vorab konkrete Fragen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf: Edmund Cramer, office@cramer-mueller-partner.de 

Firmenkunden – Digitalisierung – Sparkassen

Hand mit Megafon und dem Wort News auf einer Kreidetafel
Viele Kreditinstitute sind gerade dabei, ihr eigenes Geschäftsmodell auf digitales Veränderungspotenzial zu durchleuchten. Welche digitalen Herausforderungen die Firmenkunden derzeit zu bewältigen haben und welche Anforderungen daraus für die Sparkassen entstehen, hat cm&p-Geschäftsführer Edmund Cramer im Oktober 2017 beim Sparkassenverband Westfalen-Lippe in einem Impulsvortrag gehalten.

Der Vortrag wurde mit großem Interesse aufgenommen und führte im Anschluss zu interessanten Gesprächen. Ein wesentliches Kern-Element dabei war die Weiterbildung der Firmenkundenbetreuer in Bezug auf das Verständnis digitaler Geschäftsmodelle im Mittelstand. Die Sparkassen-Akademie hat diesen Bedarf bereits erkannt und baut entsprechende Seminare neu auf.

Sie können sich hier die Folienpräsentation des Vortrags anschauen.

cramer müller & partner